Schreiben mit Kindern

Im Januar dieses Jahres bin ich Mutter einer wundervollen Tochter geworden. Zusätzlich, als Bonus sozusagen, gibt es drei volle Jahre Elternzeit. Jubel! Endlich einmal ungestört schreiben! Dem Chef im Brotjob den Rücken kehren! Mich voll und ganz meiner schriftstellerischen Freiheit widmen! Soweit die Illusion. In Wirklichkeit gibt es ab jetzt einen neuen Chef. und der (oder eher gesagt sie) wohnt auch noch bei uns zuhause und bestimmt vierundzwanzig Stunden meines Tages. Nicht, dass hier etwas falsch verstanden wird. Ich liebe das Muttersein schon jetzt genauso sehr, wie es mir nichts ausmacht, nachts alle dreißig Minuten aufzustehen, Windeln zu wechseln oder als persönliche Snackbar angesehen zu werden. Wenn mich diese großen Augen ansehen, und meine Kleine mir ein Lächeln schenkt, denkt man gar nicht daran, frei zu machen. Man macht es liebend gerne! Eigentlich ist der Alltag mit einem Baby sogar vergleichbar mit dem Schreiballtag, denn ein großer Faktor, der dabei mitspielt, ist die Zeit. Die, die wir dann nicht mehr haben.

Vergleich Eins:

Der Postbote, der mittags gegen ein Uhr klingelt, sieht uns genauso oft im Schlafanzug wie der eigene Mann, der abends von der Arbeit nach Hause kommt und fragt, ob man den ganzen Tag im Bett gelegen hätte. Ja, die Zeit für ein ausgiebiges Beautyprogramm fehlt definitiv. Oder eher gesagt ist das auf der Prioritätenliste ganz weit nach hinten gerückt. Wer braucht schon gekämmte Haare oder Mascara, wenn das Baby glücklich gluckst oder das letzte Kapitel endlich abgeschlossen ist?

Vergleich Zwei:

Ein ausgiebiges Mahl besteht nicht, wie Ernährungsforscher behaupten, aus Frühstück, Mittagsessen, Abendessen und Snacks. Nein. es besteht aus morgens aufstehen, denken »Mann, hab ich Hunger. Oh, keine Zeit, Baby schreit/Geschichte muss weitergehen. Da stehen noch Erdnüsse auf dem Couchtisch von Gestern Abend, lecker, rein damit!« Mein Lieblings- Jetzt-Muss-es-aber-Schnell- gehen-essen besteht aus Schoko-Cranberries und Kaffee. Aktuell koffeinfrei natürlich, weil ich stille.

Vergleich Drei:

das Sportprogramm. Wie sagt man so schön, es würde reichen, wenn man zwei bis dreimal die Woche dazu kommt, ein wenig Sport zu treiben. Wenn ich einer Veröffentlichung entgegenfiebere, beinhaltet mein Sportprogramm mehrmals am Tag die Haustreppe rauf und runter zu gehen. Weil sich mein Büro im zweiten Stock und die Kaffeemaschine im ersten befindet. Mit Baby kann ich aber mal endlich was für meinen Körper tun! Während ich vor meinem PC Sitze und schreibe, hüpfe ich auf meinem roten Gummigymnastikball auf und ab, habe das (mittlerweile acht Kilo schwere) Kind im Tragetuch und mache laute Schhhhhh Laute, damit es bloß weiterschläft und ich zum tippen komme. Wer sagt da noch, Autorenmütter sind nicht Multitasking?!

Vergleich Vier:

Der Haushalt. Wäre der Haushalt nicht generell schon so lästig, nimmt er neben einem Buch, das seinem Veröffentlichungstermin entgegenfiebert, oder einem Kleinkind, dem immer einfällt, wie es dich auf Trab halten kann, enorme Ausmaße an. Im ganzen Haus liegt oder steht irgendetwas herum, was eigentlich an einer ganz anderen Stelle seinen Platz hätte. Ich bewundere immer diese aufgeräumten und gut sortierten Wohnungen, die Ikea in seinem Ausstellungsprogramm zeigt. Theoretisch wäre das wohl auch in jedem Haushalt möglich. Praktisch ist man während eines Schreibprozesses in ganz anderen Gedanken, als an das Aufräumen zu denken, bis man abends den Computer ausmacht und seine Wohnung mit einem ganz anderen Auge sieht. Mit dem eines Besuchers. aber was solls, es gibt weitaus wichtigere dinge. Unser Leitspruch: Lieber einmal schämen als drei Stunden putzen, trifft manchmal sogar zu.
Alles in allem bin ich aber wirklich zufrieden! Neben den Bedenken meines Mannes, unsere Kleine könne nur noch unter dem Geräusch schneller und lauter Tipppanschläge einschlafen, haben wir ein super liebes Kind. Baby-Bloom, wie ich sie während meiner Schwangerschaft getauft hatte, hat anscheinend ein sehr hohes Schlafbedürfnis und ich komme oft täglich zum Schreiben. Ich bin gespannt, wie es wird, wenn das erste Jahr vorbei ist und ich zwischen Basteln, Malen, Singen und Spaziergängen mit unserem Hund (ja, den gibt es ebenfalls) noch Zeit für meine zweite Leidenschaft finde. Dort nämlich befindet sich das Schreiben aktuell auf Platz Zwei. Aber das ist schön so. Und ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen!
Rose Bloom

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