Moment of Passion

»Du willst wirklich da raus?«
»Haben wir eine andere Wahl?«, fragte mein Mitbewohner Jack. Er wischte mit der flachen Hand über die beschlagene Frontscheibe meines Mini Coopers und warf einen Blick zum Himmel. »Es sieht nicht so aus, als würde der Regen in nächster Zeit nachlassen. Und um ehrlich zu sein, halte ich es in deiner kleinen Knutschkugel nicht viel länger aus. Ich hab das Gefühl, meine Beine sterben allmählich ab.« Ich lachte. Mein Dad hatte mir das Auto gestern zu meinem einund- zwanzigsten Geburtstag geschenkt. Zwar war es wieder einer seiner zahlreichen Versuche, meine Mom zu übertrumpfen, aber trotzdem hatte ich mich gefreut. Schließlich erhielt ich so ein Stück mehr Freiheit. Allerdings war Jack über einen Meter neunzig groß und musste sich regelrecht in meinen neuen Wagen falten, um überhaupt Platz zu finden.
»Wenn ich dich daran erinnern darf, du warst derjenige, der unbedingt eine Spritztour mit meinem neuen Baby machen wollte.«
»Ich weiß und dafür könnte ich mich selbst erwürgen.«
Grinsend schüttelte ich den Kopf.
»Also schön. Auf drei, okay?« Er nickte erleichtert. Ich nahm unseren Wohnungsschlüssel aus dem Ablagefach neben meinem Sitz und begann zu zählen: »Eins, zwei und los!«
Fast zeitgleich stießen wir die Wagentüren auf, wobei ich etwas schneller ausgestiegen war, als Jack. In manchen Situationen hatte meine Körpergröße eben doch seine Vorteile.
»Iiiih«, rief ich, während der Regen unaufhaltsam auf mich einprasselte. So schnell ich konnte, rannte ich vom Parkplatz zur Eingangstür unseres Apartmenthauses und schloss auf. Nur Sekunden nach mir erreichte auch Jack das Treppenhaus.
»Scheiße, ist das kalt!«, fluchte er und schüttelte das Wasser aus seinen dunkelbraunen Haaren.
»Hey, ich bin schon nass genug!«, beschwerte ich mich lachend und lief die Treppe hoch, um nicht noch mehr Tropfen abzubekommen. Wir wohnten erst seit einem halben Jahr zusammen und trotzdem kam es mir fast wie eine Ewigkeit vor. Meine damalige Mitbewohnerin hatte Jack vor Antritt ihres Auslandssemesters als Nachmieter vorgeschlagen. Er war der beste Freund ihres jüngeren Bruders und nach einem kurzen Treffen, war alles geklärt.
»Geh du ruhig schon mal ins Bad«, meinte Jack, als wir oben ankamen und unsere Wohnung betraten. »Ich mache uns in der Zwischenzeit einen Tee, einverstanden?«
Zu diesem Angebot sagte ich nicht Nein, denn ich war froh, so schnell wie möglich, aus den triefenden Klamotten rauszukommen. wie mög-

lich, aus den triefenden Klamotten rauszukommen.»Danke, das ist lieb von dir.«
Wahrscheinlich würde niemand vermuten, dass sich unter all seinen Tattoos und Muskeln ein echter Gentleman verbarg, allerdings kannte ich Jack inzwischen gut genug, um mich nicht von Äußerlichkeiten blenden zu lassen.

Im Bad begann ich mich auszuziehen, aber ich bekam meine enge Röhrenjeans einfach nicht von den Beinen. Sie hatte sich regelrecht an meiner Haut festgesaugt.
»Arrg!«

»Ava, ist alles klar bei dir?«, hörte ich auf einmal Jacks Stimme durch die Tür.
»Ja … Nein …«
Ehe ich mich versah, hatte er schon die Badtür geöffnet … und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Denn ich saß nur in Un- terwäsche auf dem WC-Deckel und kämpfte immer noch mit meiner Hose, die halb auf meinen Oberschenkeln hing.

»Sag jetzt nichts!«, warnte ich ihn, weil ich bereits an seinem Grinsen erkennen konnte, dass ihn meine Situation köstlich amüsierte.
Er hob abwehrend die Hände.
»Ich wollte dir lediglich meine Hilfe anbieten, aber wenn du nicht willst.«

»Na gut«, lenkte ich ein, als Jack im Begriff war, wieder zu gehen. Er stoppte in der Bewegung und drehte sich zu mir um. Sein Blick glitt über meinen Körper und eine heiße Röte stieg mir in die Wangen. Auf einmal schien sich die Luft elektrisch aufzuladen und mit jedem seiner Schritte in meine Richtung, begann mein Herz schneller zu schlagen.
»Stell dich hin!«
Täuschte ich mich, oder klang seine Stimme plötzlich rauer?
Ohne Widerworte folgte ich seiner Aufforderung. Als er mich erreichte, hob ich den Kopf, um ihm in die Augen sehen zu können. Seine grauen Iriden hatten sich verdunkelt und wirkten jetzt fast schwarz. Mein Magen zog sich zusammen und meine Haut kribbelte am ganzen Körper, als würden hunderte von Ameisen darauf tanzen.
Und dann sank er vor mir auf die Knie.
Oh. Mein. Gott!
Ich schluckte hart.
Sein Gesicht war nun genau auf Höhe meines schwarzen Spitzenslips. Nervös schloss ich die Augen und atmete einmal tief durch, ehe ich sie wieder öffnete.
»Jack, ich …«

»Schhht. Das haben wir gleich.«
Gänsehaut übersäte meinen Körper, als er die Haut an meinen Ober- schenkeln berührte. Er war mir so nah, dass ich seinen warmen Atem an meiner Mitte spüren konnte. Dieser Anblick erzeugte Bilder in mei- nem Kopf, die mich dort feucht werden ließen, wo der Regen über- haupt nicht hingekommen war. Ich biss mir auf die Unterlippe, wäh- rend Jacks Hände über meine Beine strichen und er mir meine Jeans auszog. Er warf meine Hose zu den anderen Sachen im Wäschekorb, ehe er langsam wieder aufstand und auf mich hinabsah. Meine Brüste hoben und senkten sich schnell. Mein Puls raste, weil sein Blick mich zu versengen drohte.
Wie von allein öffneten sich meine Lippen ein wenig, was auch ihm nicht entging. Lust spiegelte sich in seinen Augen und im nächsten Moment packte er meinen Nacken. Er zog mich an sich und ver- schloss meine Lippen mit seinen. Sein Kuss war fordernd, hungrig und zärtlich zu gleich. Mein Herz klopfte wie wild, während seine Hände über meinen Körper wanderten. Jack strich über meine Brüs- te. Meine Hüften. Überall, wo er mich berührte, schien meine Haut vor Verlangen zu brennen. Nie hätte ich gedacht, dass er jemals solche Gefühle in mir auslösen würde.
Aber ich wollte mehr. Wollte ihn berühren, ihn in mir spüren. Ich griff nach dem Saum seines nassen Shirts und zog es ihm über den Kopf. Fasziniert betrachtete ich die Kunstwerke, die darunter zum Vorschein kamen. Zwar hatte ich Jack bereits oberkörperfrei gese- hen, doch noch nie von so nahem. Ehrfürchtig fuhr ich die schwarzen Linien auf seiner muskulösen Brust nach, die sich zu einem Tribal in Form eines Tigerkopfes verbanden. Nur ließ er mir keine Zeit, ihn weiter zu bewundern. Erneut suchte er meinen Mund, dieses Mal drängender als zuvor. Unsere Zungen umkreisten sich leidenschaft- lich, fanden sich zu einem wilden Tanz. Meine Hand glitt zu seinem Hosenbund und öffnete den ersten Knopf, aber Jack entzog sich mir. »Noch nicht, Ava. Lass mich zuerst.«
Er griff um mich herum und öffnete den Verschluss in meinem Rü- cken, ehe er mir meinen BH abstreifte. Anschließend machte er einen Schritt zurück und betrachtete mich mit lustverhangenem Blick. »Du bist perfekt!«
Er fuhr die Konturen meiner Brüste nach und zwirbelte eine meiner Brustwarzen zwischen Daumen und Zeigefinger. Sofort schoss ein heißes Ziehen von dort direkt in meinen Unterleib. Dann ersetzte er seine Finger durch seine Lippen. Er saugte meine Knospe tief in sei- nen Mund und kratzte leicht mit den Zähnen darüber.
»Oh Gott«, stöhnte ich und er tat es erneut.
»Du hast ja keine Ahnung, wie lange ich das hier schon will!«, raunte er heiser, bevor sich sein Mund einen Weg zu meinem Bauch und von dort aus zum Bund meines Slips bahnt. Er hakte seine Finger hinter den dünnen Spitzenstoff und zog ihn mir langsam über die Schen- kel. Einen qualvollen Zentimeter nach dem anderen. Wenn er damit erreichen wollte, dass ich vor Verlangen wahnsinnig wurde, befand er sich bereits auf dem besten Weg. In aller Seelenruhe ließ er seine Finger wieder nach oben gleiten. Als er die Innenseite meines Ober- schenkels berührte und flüchtig meine Mitte streifte, keuchte ich auf. »Jack«, wimmerte ich mit brechender Stimme.
Sein Blick suchte meinen. Und ein verführerisches Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er sanft einen Finger in mich schob. Sofort spannten sich meine Muskeln an.
»Gott, wie feucht du bist.«
Er ließ einen zweiten Finger folgen und bewegte sie in mir. Erst lang- sam, dann immer schneller und härter. Meine Oberschenkel began- nen zu zittern und ich genoss das süße Ziehen in meinem Unterleib. Trotzdem wollte ich mehr. Ich wollte Jack.
»Zieh dich aus!«, wisperte ich.
»Da wird wohl jemand ungeduldig«, sagte er mit einem wissenden Grinsen. Sein sanfter Tonfall ließ mich wie flüssige Schokolade da- hinschmelzen.

Er zog seine Finger aus mir zurück und griff an seine Jeans. Knopf für Knopf öffnete er seine Hose und streifte sie samt Boxershorts von seinen Beinen ab. Ich leckte mir über meine trockenen Lippen. Nackt und hart stand er nun vor mir. Mein Puls schoss in die Höhe. Was für ein Anblick!

»Warte kurz.«
Er ging zur Dusche und stellte das Wasser an. Dann kehrte er zu mir zurück. Als wäre ich leicht wie eine Feder, hob er mich hoch. Ich schlang meine Beine um seine Taille und meine Arme um seinen Hals, ehe er mich in die gläserne Duschkabine trug. Ich seufzte wohlig, als das warme Wasser auf meine Haut traf. Jack trug mich zur Wand und lehnte mich mit dem Rücken gegen die kühlen Fliesen. Ein Schauer fuhr durch meinen Körper, aber ich konnte nicht sagen, ob er von dem Temperaturunterschied oder meiner Erregung ausgelöst wurde. »Du bist so wunderschön«, murmelte er nah an meinem Ohr, ehe mich sein Mund erneut in Besitz nahm.
Sein Kuss zeigte mir, dass er mich ebenso wollte, wie ich ihn. Ich schloss meine Augen und sehnte mich danach, ihn endlich in mir zu spüren. Mein Atem kam nur noch in winzigen, kleinen Stößen. Ich drückte mich enger an ihn, bettelte um mehr. Sein Kinn kratzte rau über meine Haut, als er sie mit neckenden Bissen traktierte.
»Jack, bitte!«, flehte ich.
»Bist du dir sicher, dass du das hier wirklich willst? Denn wenn ich erst einmal in dir bin, gibt es kein Zurück mehr.«
»Ja … ja, ich bin mir sicher!«
Ich konnte sehen, dass er sich diese Antwort von mir erhofft hatte und im nächsten Augenblick griff er zwischen uns. Jack positionierte sich an meiner Mitte und glitt mit einem einzigen Stoß in mich. Hart und heiß füllte er mich aus.
Nachdem er mir einen Moment gegeben hatte, um mich an ihn zu gewöhnen, begann er, sich in mir zu bewegen. Zuerst sanft und vor- sichtig, dann immer schneller und tiefer. Ich stöhnte unter seinen kraftvollen Stößen. Um nicht den Halt zu verlieren, umklammerte ich seine Schultern, doch Jack hielt mich. Fest und bedingungslos. Meine Muskeln zogen sich eng um ihn zusammen. Ich versuchte, meine Augen offen zu halten, um zu beobachten, wie er in mich eindrang, aber mein Blick verschwamm.
Dieses Gefühl, vollständig von ihm ausgefüllt zu werden, veränderte etwas in mir. Ich konnte nicht sagen was, doch mein Herz zog sich schmerzhaft bei dem Gedanken zusammen, dass dies nur eine einmalige Sache sein könnte. Jack war wie ein Magnet, auf den mein Körper intuitiv reagierte.
Das Pulsieren in meinem Unterleib nahm zu und ich war kurz davor, in tausend Teile zu zerspringen. In einem berauschenden Rhythmus glitt er aus mir heraus und wieder hinein und fegte damit jegliche Gedanken aus meinem Kopf. Nur das Verlangen nach Erlösung bestimmte mich noch. Ein Beben lief durch mich hindurch.
»Jack«, stöhnte ich atemlos, als der Orgasmus in heftigen Wellen über mich hineinbrach. Ich erzitterte und meine Zehen verkrampften sich. Heiß und pulsierend zogen sich meine inneren Muskeln um Jack zusammen. Ein weiteres Mal stieß er in mich hinein, bevor er sich mit einem lauten, kehligen Stöhnen tief in mir ergoss.
Als er vorsichtig mit mir zu Boden sank, hatte ich das Gefühl noch immer zu schweben.
Ich saß rittlings auf seinem Schoß und er lehnte seine Stirn gegen meine. Warmer Wasserdampf hüllte uns ein, während unsere Höhepunkte langsam abklangen. Nur allmählich beruhigte sich unsere Atmung wieder. Nach wie vor waren wir miteinander verbunden und Jack streichelte zärtlich mein Gesicht. Ich lächelte ihn glücklich an. »Du bist unglaublich«, murmelte er und küsste mich sanft.
Ich schmiegte mich an ihn. Die Nähe zwischen uns fühlte sich gut an. Vertraut. Und vielleicht behielt mein Horoskop dieses Mal recht. Denn es hatte vorausgesagt, dass meine große Liebe längst ganz in meiner Nähe war und nur auf ein Zeichen von mir warten würde.

 

Any Swan

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