Marriageable

Dennis

Seit Sina meinen Antrag vor sechs Monaten angenommen hatte, war vieles geschehen. Ben, unser Sohn, lag schlafend in meinen Armen, während Sina zur letzten Anprobe ihres Brautkleides gegangen war. Ein leichtes Lächeln lag auf Bens Lippen und wieder einmal fragte ich mich, womit ich dieses Glück verdient hatte. Obwohl ich Sina so sehr verletzt hatte, war sie stark genug, mir zu verzeihen, und machte mich seither täglich zum glücklichsten Mann der Welt.

In weniger als einer Woche würden wir heiraten und dann endgültig eine richtige Familie sein. Eine wohlige Wärme breitete sich in mir aus. Mein Leben mit Sina und Ben war einfach perfekt. Ich würde es nie wieder eintauschen wollen. Das Klingeln meines Handys riss mich aus meinen Gedanken und als ich Toms Namen auf dem Display sah, musste ich schmunzeln.

»Hey, Kumpel. Bevor du noch mal damit anfängst, ich will keinen Junggesellenabschied, verstanden?«
Ich hörte meinen besten Freund seufzen.
»Keine Angst, ich hab es kapiert. Auch wenn ich es nach wie vor schade finde, kann ich es verstehen«, gab er zu.

»Woher der Sinneswandel?«, wollte ich wissen, doch es blieb still. »Tom? Bist du noch da?«

»Ja. Es ist nur … Melina, sie ist …«, stammelte er und ich begann mir Sorgen zu machen. Tom war niemand, der herumdruckste, außer etwas bedrückte ihn.

»Was ist mit ihr? Ist ihr was passiert?« Mit Ben auf dem Arm stand ich auf und legte ihn in seine Wiege. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Tom antwortete.

»Nein, es geht ihr gut. Es ist nur … ich werde Vater«, rückte er endlich mit der Sprache raus und sofort entspannte ich mich.

»Alter, das ist doch großartig. Glückwunsch. Dann bekommt Ben ja bald einen Kameraden zum Spielen.«
Ein leises Lachen war zu hören, ehe Tom erwiderte: »Oder eine Freundin, wer weiß. Allerdings habe ich eine Scheißangst. Aber, was ich dich eigentlich fragen wollte, wäre es für dich okay, wenn ich Melina auf eurer Hochzeitsfeier einen Antrag machen würde?«

»Ob das okay für mich wäre? Was denkst du denn? Na klar, wird ja auch Zeit. Ihr beiden gehört zusammen, also mach es auch ganz offiziell. Und was deine Angst angeht … ich würde dich gerne beru- higen, aber das kann ich nicht. Denn selbst wenn das Baby da ist, vergeht sie nicht.«

»Irgendwie dachte ich mir so etwas schon. Aber danke, Kumpel. Du hast was gut bei mir. Wir sehen uns ja morgen«, verabschiedete er sich und legte auf. Ich ging in die Küche, schaltete gerade die Kaffeemaschine ein, als es an der Tür klingelte. Nachdem ich den Summer

wenig später David vor mir stand.
»Hey, mit dir habe ich am wenigsten gerechnet. Komm doch rein. Ich

mache mir gerade einen Kaffee, willst du auch einen?«, fragte ich und ließ ihn eintreten. Das Verhältnis zwischen David und mir war zwar deutlich besser geworden, allerdings würde ich noch nicht so weit gehen, zu behaupten, wir seien gute Freunde. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, freute mich sein Auftauchen. Für Sina wollte ich alles tun und dazu gehörte eben auch, mit David klarzukommen. Außerdem war er eigentlich gar nicht so verkehrt.

»Gerne, danke«, erwiderte er und folgte mir in die Küche. Ich nahm zwei Tassen aus dem Schrank, machte uns beiden einen Kaffee und nahm dann ebenfalls am Tisch Platz. David wirkte nervös, schien zu überlegen, wie er beginnen könnte und ich wartete neugierig.

»Dennis, es tut mir leid«, platzte es plötzlich aus ihm heraus. »Ich weiß, ich war nicht immer fair zu dir und habe das ein oder ande- re Mal überreagiert. Ich hatte einfach nur Angst um Sina und habe dabei wohl etwas übertrieben. Außerdem möchte ich mich für mein Misstrauen entschuldigen, das ich dir in den letzten Monaten entge- gengebracht habe. Aber ich habe jetzt endlich kapiert, dass du Sina wirklich liebst und ich hoffe, wir können noch mal neu anfangen. Sina und Elisa leiden sehr unter der Situation und ich würde sie gerne vor eurer Hochzeit aus der Welt schaffen.«

Mit großen Augen starrte ich ihn an, konnte nicht glauben, was er sagte. Nur langsam fand ich meine Sprache wieder.

»Wow, David. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber damit nicht. Ich würde mich freuen, wenn wir das auf die Reihe bekämen, es würde Sina viel bedeuten.«
Er nickte langsam und grinste. »Elisa ebenfalls.«

»Stimmt, für sie war es auch nicht einfach. Wie geht es ihr? Ich habe kaum mit ihr gesprochen, seit dieser Sache mit dem Kuss …«

»Ja, das war eine Scheißaktion, aber Elisa hat mir klargemacht, dass es nicht so war, wie es aussah. Es setzt ihr aber nach wie vor zu, dass du dich zurückgezogen hast. Du solltest mit ihr reden.«

»Das werde ich, versprochen. Ich wollte nur nicht, dass es zwischen euch noch mehr Zoff gibt.«

»Das wird es nicht, keine Sorge. Habt ihr heute Nachmittag schon was vor? Ihr könntet zu uns zum Grillen kommen, damit könnten wir die Mädels überraschen«, schlug David vor und ich stimmte begeis- tert zu. David verabschiedete sich kurz darauf und kaum war er zur Tür raus, meldete Ben sich. Mit geübten Fingern bereitete ich seine Flasche zu, die er gierig trank, als sie die richtige Temperatur erreicht hatte.

»Jetzt wird alles gut werden, mein Kleiner. Mama wird sehr froh sein, wenn sie ihren besten Freund zurückhat. Und Papa wird mit ihm klarkommen, damit sie glücklich ist. Nur euer Glück ist wichtig für mich«, sinnierte ich und beobachtete meinen Sohn. Er war das schönste Baby, das ich je gesehen hatte und machte unser Glück perfekt. Nur noch wenige Tage und wir würden eine richtige Familie sein. Beim Gedanken daran wurde mir warm ums Herz. Als Sina wenig später nach Hause kam, war Ben bereits wieder am Schlafen. Sie küsste ihn sanft auf die Stirn und kam dann zu mir aufs Sofa.

»Hey, hat alles gepasst?«, fragte ich, ehe ich sie küsste. Ein wunderschönes Lächeln lag auf ihrem Gesicht und sie nickte. »Ja, Gott sei Dank. Jetzt darf ich nur kein Gramm zulegen bis Samstag.«

»Ich kenne da ein gutes Mittel, um Kalorien abzubauen«, schmunzelte ich und zog sie auf meinen Schoß, damit sie spüren konnte, was ich meinte. Noch immer genügte ein einziger Kuss von ihr, um mich augenblicklich hart werden zu lassen.

Lachend schüttelte sie den Kopf. »Du bist unersättlich, was?«
»Das ist deine Schuld. Du bist schlimmer als jede Droge für mich«, erwiderte ich und presste meine Lippen auf ihre. Ein leises Wimmern ihrerseits war zu hören und ich stöhnte in ihren Mund. Keuchend löste sie sich von mir. »Dennis, Ben schläft nur zwei Meter von uns entfernt. Lass uns wenigstens ins Schlafzimmer gehen.« Sie stand auf  und zog mich hinter sich her, nachdem sie das Babyphone eingeschaltet hatte. Im Schlafzimmer angekommen, schubste ich sie sachte aufs Bett und entledigte mich meiner Klamotten, während Sina sich aus ihren schälte. Seit Bens Geburt waren solche Momente auf ein Mini- mum an Zeit geschrumpft, sodass wir keine Sekunde verlieren wollten. Kurz darauf war ich über ihr, verschränkte unsere Finger miteinander und legte unsere Hände neben ihrem Kopf ab. Während ich sie tief und innig küsste, drang ich langsam in sie ein und genoss es, wie eng sie meinen Schwanz umschloss. Meine Stöße wurden fester und Sina stöhnte leise in meinen Mund. Ich löste eine Hand aus ihrer und ließ sie zwischen unseren Körpern nach unten gleiten und umkreiste ihre Perle mit meinem Daumen. Sie bäumte sich auf, krallte die freie Hand ins Laken und drückte sich mir entgegen. Es brauchte nur wenige Minuten, bis sie ihren Höhepunkt fand und mich mitriss, als sie sich fest um mich verkrampfte. Noch einen Moment verharrte ich still in ihr, küsste sie noch einmal ausgiebig und zog mich in dem Moment aus ihr zurück, als das Babyphone ertönte.

»Gutes Timing«, sagte ich, grinste und schlüpfte in meine Boxershorts, um dann nach Ben zu sehen. Er zappelte in seiner Wiege und quiekte freudig vor sich hin. Sina stand plötzlich hinter mir und schlang ihre Arme um meine Taille.

»Ich liebe dich«, sagte sie und hauchte einen Kuss auf meinen Rü- cken.
»Ich liebe dich auch. Dich und unseren Kleinen. Und deshalb habe ich auch eine Überraschung für dich.«

»Eine Überraschung? Was denn für eine«, wollte sie wissen und zog einen Schmollmund, als ich den Kopf schüttelte.
»Das wirst du noch früh genug sehen. Wir müssen in etwa einer Stunde los, also sollten wir uns fertigmachen. Ich springe schnell unter die Dusche und mache dann Ben fertig, damit du duschen kannst, einverstanden?« Sina nickte und ich küsste sie noch einmal, bevor ich im Bad verschwand.

Knapp eine Stunde später verließen wir die Wohnung und Sina war deutlich anzumerken, dass sie vor Neugierde beinahe platzte. Als ich mit dem Wagen kurze Zeit später in die Straße lenkte, in der David und Elisa wohnten, weiteten sich Sinas Augen ungläubig.

»Ist das dein Ernst? Wer weiß, wie sie reagieren werden …«

»David hat uns eingeladen«, unterbrach ich sie und ihr klappte der Mund auf.

»Was? Aber wann?«

»Heute Vormittag. Er stand einfach vor der Tür und wir haben uns ausgesprochen. Wir wollen beide, dass du glücklich bist, also werden wir miteinander klarkommen.«
Sina strahlte und ich wusste, ich hatte die richtige Entscheidung getroffen. Wir stiegen aus und ich nahm Ben auf den Arm, ehe wir ge- meinsam zur Tür gingen. Sina schien nervös zu sein und ich küsste sie sanft auf die Wange, als die Tür geöffnet wurde und David vor uns stand. Sofort zog er Sina in die Arme, drückte sie fest und murmelte etwas, das ich nicht verstehen konnte, doch es zauberte ein Lächeln in ihr Gesicht.

»Schön, dass ihr da seid. Tom und Melina müssten auch gleich da sein. Kommt rein«, sagte er und trat zur Seite. Gerade wollte ich an ihm vorbei, als er nach Ben griff.
»Und du, kleiner Mann, kommst erst mal zu mir. Es wird Zeit, dass wir uns besser kennenlernen«, sagte er zu dem Kleinen und ich beob- achtete, wie liebevoll er mit Ben umging, der freudig quiekte.

Wie angekündigt trafen Tom und Melina kurze Zeit später ein und wir verbrachten einen tollen Nachmittag miteinander. Die Stimmung war zum ersten Mal gelöst, da alle Differenzen aus der Welt geschafft waren und es fühlte sich perfekt an. Gegen Abend lag mir noch eine Sache auf dem Herzen, die ich unbedingt loswerden musste. Ich räusperte mich und alle Blicke waren auf mich gerichtet.

»Ich hätte eine Bitte an euch«, begann ich und blickte durch die

Runde. »Sina und ich würden uns wünschen, dass ihr alle vier die Pa- tenschaft für Ben übernehmt.« Melina und Elisa sprangen begeistert auf und auch Tom und David schienen sich nach einem Moment der Starre zu entspannen und grinsten um die Wette.

»Natürlich, es wäre uns eine Freude«, sagte Tom und David stimmte ihm zu. Erleichtert atmete ich auf und bedankte mich bei meinen Freunden. Wieder einmal wurde mir klar, dass ich die besten Freunde der Welt hatte, zu denen von heute an auch David gehörte.

Die folgenden Tage vergingen viel zu schnell für meinen Geschmack und so war heute bereits der große Tag. Nur noch wenige Stunden und Sina würde offiziell meine Frau sein. Klar war ich nervös, aber eher aus Vorfreude, als vor Angst. Sina zu heiraten, war genau das, was ich mir wünschte und der einzige Punkt, der noch fehlte, um unsere Familie perfekt zu machen.

Wir hatten mit viel Glück einen Standesbeamten gefunden, der sich bereit erklärt hatte, uns im Freien zu trauen, und zwar in unserem Park, der für jeden einzelnen von uns etwas ganz Besonderes war. Wir hatten eine Firma beauftragt, verschiedene Zelte aufzubauen. Ein Großes, das ausgiebig geschmückt war und in dem die anschließende Feier stattfinden würde, und zwei kleinere, die links und rechts daneben aufgebaut wurden und als Garderobe dienten. Ich stand mit Ben auf dem Arm in meiner, als er unruhig wurde und so beschloss ich, einen kleinen Spaziergang mit ihm zu machen. Ich trat ins Freie und Tom stand vor dem Zelt, gab letzte Anweisungen für das Catering und wandte sich im Anschluss mir zu.

»Hey, ich geh mit Ben ein wenig spazieren. Ihm ist es zu langweilig, hier zu warten«, sagte ich und Tom nickte.

»Sei bloß pünktlich wieder zurück, sonst wird Sina dich umbringen«, scherzte er und lachte, als ich mich bereits von ihm entfernte.

Sina

Letzte Nacht hatte ich kaum geschlafen, weil ich so furchtbar aufgeregt war und dementsprechend sah ich heute Morgen aus, als ich aufstand. Ein Blick in den Spiegel genügte, um Panik aufkommen zu lassen. Dunkle Ringe lagen unter meinen Augen und zu allem Über- fluss hatte sich ein dicker Pickel mitten auf der Stirn gebildet.

»Nein, bitte nicht … nicht heute«, jammerte ich, als es klingelte. Mit hängenden Schultern öffnete ich die Tür und Melina stand freu- destrahlend davor, zog jedoch sofort die Augenbrauen zusammen, als sie meine Augenringe sah.

»Guten Morgen, wenn ich dich so ansehe, können wir froh sein, dass wir eine professionelle Visagistin gebucht haben«, lächelte sie und ich seufzte.

»Du hast gut Reden. Ich hab keine Minute geschlafen und bin völlig fertig. Ich hoffe, die gute Frau kann zaubern«, erwiderte ich und ließ Melina eintreten. »Willst du auch einen Kaffee?«, fragte ich, als wir die Küche betraten.

»Gerne, danke.«

Wir hatten gerade die Tassen in die Spüle gestellt, als es klingelte. Panisch sah ich an mir runter. Noch immer trug ich meinen Pyjama und ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es höchste Zeit wurde. Das Brautkleid würde ich erst vor Ort anziehen, aber im Schlafanzug konnte ich unmöglich die Wohnung verlassen. Melina lachte, als sie die Panik in meinem Gesicht erkannte.

»Zieh dir was an, ich öffne die Tür. Das wird sicher Elisa sein. Oder erwartest du noch jemanden?«
»Nein, sonst kommt niemand. Danke«, erwiderte ich und verschwand im Schlafzimmer. Ich hatte mich in den letzten Monaten so sehr daran gewöhnt, dass Dennis da war, dass es sich heute unglaublich leer anfühlte. Ich vermisste ihn und Ben und konnte es kaum erwarten, die beiden gleich zu sehen. Nach wenigen Minuten war ich fertig und

ging zurück in die Küche, in der Melina und Elisa am Tisch saßen und sich unterhielten.
Als ich eintrat, verstummten sie und kurz flackerten Zweifel in mir auf, die ich mit aller Gewalt verdrängte. Was auch immer mal zwi- schen Dennis und Elisa gewesen sein mochte, es war vorbei und er liebte mich. Wie ein Mantra wiederholte ich diese Worte stumm und schaffte es so, mich zu beruhigen. Elisa strahlte mich an und ich lä- chelte zurück.

»Können wir los? Es wird Zeit«, sagte sie und ich nickte.
Mit dem Kleidersack in der Hand verließ ich die Wohnung und blickte noch einmal hinein, als ich bei der Tür angekommen war. Das nächste Mal, wenn ich sie betreten würde, wäre ich eine verheiratete Frau. Mit einem Lächeln auf den Lippen schloss ich die Tür und machte mich auf den Weg zu meiner Hochzeit.
Als wir im Park ankamen, herrschte bereits reges Treiben. Das Catering wurde aufgebaut und die Zelte wurden geschmückt. Es sah wunderschön aus. Ich legte mein Brautkleid in meinem Umkleidezelt ab und wollte noch kurz zu Dennis und Ben, ehe ich mich fertigma- chen musste. Meine Knie waren ganz weich und ich hatte Angst, dass sie jeden Moment ihren Dienst versagen würden. Doch irgendwie schaffte ich es zu Dennis ́ Garderobenzelt und öffnete es mit zittrigen Fingern. Noch mehr Panik erfasste meinen Körper, als ich es leer vorfand.
»Beruhige dich, es wird eine plausible Erklärung dafür geben«, murmelte ich leise und atmete tief ein.
Langsam drehte ich mich um und entdeckte Tom, der nur ein paar Meter weiter stand.
»Tom, hast du Dennis gesehen?«, rief ich ihm zu und er nickte. Gott sei Dank, dachte ich und ging auf ihn zu.
»Dennis ist mit Ben spazieren, der kleine Mann hatte wohl Langeweile. Also kein Grund zur Sorge, die beiden werden sicher gleich zurück sein.«
Erleichterung durchflutete mich und ich spürte die Anspannung von mir abfallen. Ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht und mein Herz machte einen Satz. So etwas würde Dennis mir doch niemals antun, dachte ich und konnte nicht fassen, dass ich auch nur einen einzigen Gedanken in diese Richtung zugelassen hatte.
»Super, danke. Dann werde ich mich mal umziehen und fertigmachen. Bis gleich dann«, verabschiedete ich mich von Tom und eilte zu meiner Garderobe, in der ich bereits von Elisa, Melina und der Visagistin erwartet wurde.

Eine knappe Stunde später verkündete die Visagistin, dass sie fertig sei und ich betrachtete mich zum ersten Mal im Spiegel. Meine Haare hatte sie hochgesteckt, nur einzelne Locken hingen heraus und umspielten ein wenig mein Gesicht. Von Augenringen und dem Pickel war nichts mehr zu sehen. Meine Augen strahlten, waren schön betont und ein dezenter Lippenstift und leichtes Rouge rundeten das Bild perfekt ab.

»Wow, ich erkenne mich kaum wieder«, lächelte ich vor mich hin und bedankte mich bei Sarah für ihre tolle Arbeit. Sie verabschiedete sich von uns und langsam drehte ich mich zu meinen Freundinnen um. »Du siehst fantastisch aus«, sagte Melina, während sie den Blick über mein Kleid schweifen ließ und ich sah Tränen in ihren Augen, sodass ich mich schnell abwandte, um nicht selbst loszuheulen und das Make-up zu ruinieren.

»Danke«, flüsterte ich und strich über den weichen Stoff meines Kleides. Nur drei Kleider hatte ich anprobiert, bis ich mein Traumkleid gefunden hatte. Es war relativ schlicht im Mermaid-Stil gehalten, und nur das Oberteil war mit Stickereien und Pailletten verziert. »Dennis wird begeistert sein«, hörte ich Elisa sagen und dreh- te mich noch einmal zu meinen Freundinnen, um sie anzulächeln. »Danke, für alles«, sagte ich, doch die beiden winkten ab. »Es gibt nichts, wofür dich bedanken musst. Bist du be-

reit? Gleich ist es soweit«, bemerkte Melina mit einem Blick auf die Uhr. Tief durchatmend nickte ich und konnte nichts gegen die erneut aufsteigende Nervosität tun. Beide umarmten mich kurz und flüs- terten mir ein »Du schaffst das« zu, bevor sie sich zu ihren Plätzen begaben und mich mit meiner Nervosität alleine ließen.

Dennis

Als Ben und ich von unserem Spaziergang zurückkamen, wurden wir von Tom und David bereits ungeduldig erwartet.
»Wo bleibt ihr denn? Sina dachte schon …«, begann Tom, doch David stieß ihm den Ellbogen in die Rippen und brachte ihn damit zum Schweigen.

»Nun ist er ja da«, stellte er fest. Gerade als ich nachhaken wollte, was Sina gedacht hatte, kam David mir zuvor.
»Gib mir Ben, Elisa kümmert sich um ihn. Du musst deinen Platz einnehmen, in fünf Minuten werde ich Sina holen und zu dir brin- gen.«

Fuck, offensichtlich hatte ich die Zeit ein wenig vergessen und war später dran, als gedacht. Ich überreichte ihm Ben und bedankte mich noch schnell, ehe ich mich auf den Weg zum Standesbeamten machte, der mich bereits erwartete. Nervös knetete ich meine Hände und versuchte mir vorzustellen, wie Sina wohl aussehen mochte …

Meine Fantasie hatte allerdings überhaupt nichts mit der Realität zu tun, denn als David und Sina am anderen Ende des Durchgangs er- schienen, blieb mir buchstäblich die Spucke weg. Sie sah so wunderschön aus, dass es mir schwerfiel, ruhig stehen zu bleiben und auf sie zu warten. Mit geschmeidigem Gang kam sie auf mich zu, während Jeff Buckleys Halleluja im Hintergrund zu hören war. Nur mühsam gelang es mir, nicht über Sina herzufallen und sie zu küssen, als sie neben mir zum Stehen kam.

»Du siehst umwerfend aus«, flüsterte ich, als David sie an mich übergab und hauchte ihr einen zarten Kuss auf die Wange, bevor wir uns dem Standesbeamten zuwandten, der gleich mit der Zeremonie begann.

»Wir sind heute hier zusammengekommen, um Sina und Dennis in den Bund der Ehe zu führen«, las er seine Rede vor, doch ich konnte ihm nur bedingt folgen, da ich meine Aufmerksamkeit einfach nicht von der Liebe meines Lebens abwenden konnte. Nur noch wenige Minuten und wir würden eine richtige Familie sein …

»Ja, ich will«, las ich plötzlich von den Lippen der Frau ab, die mein komplettes Leben auf den
Kopf gestellt und erst lebenswert gemacht hatte und

wandte mich schnell dem Mann zu, der bereits dazu übergegangen war, mit mir zu reden.

»Wollen Sie, Dennis Winter, die Ehe mit der hier anwe- senden Sina Berger eingehen?«

»Ja, ich will«, antwortete ich mit fester Stimme und Sina lächelte mich auf eine Weise an, die mich glücklich machte.

»Dann sind Sie nun rechtmäßig verheiratete Eheleute. Herzlichen Glückwunsch. Nun dürfen Sie die Ringe tauschen und Ihre Braut küssen«, hörte ich leise und musste mir das kein zweites

Mal sagen lassen. Mit aller Liebe und Zuneigung, die ich für Sina empfand, küsste ich sie und war der glücklichste Mann der Welt. Erst nach unendlichen Sekunden löste ich mich von ihr und steckte ihr den Ring an den Finger. »Ich liebe dich und Ben über alles«, sagte ich leise und sah zu, wie Sina mir nun den Ring auf den Finger schob. »Ich liebe dich auch«, antworte sie und nachdem wir uns bei dem Standesbeamten bedankt hatten, drehten wir uns zu unseren Gästen um, die bereits in einer Schlange standen, um uns zu beglückwünschen. Danach gingen wir nahtlos zum Feiern über. Nachdem wir Kuchen gegessen hatten, forderte ich Sina zum Tanzen auf. Allerdings hatten wir beide nichts für klassische Tänze übrig, sodass wir uns lieber zu The Pogues – Love You ́Till The End bewegten, mit Ben zwischen uns.

Als die Musik verklang, applaudierten alle, bis wir ein lautes Räuspern vernahmen. Tom stand auf der Bank im Park, die direkt neben dem Zelt stand und war sichtlich nervös, als er Melina aufforderte, zu ihm zu kommen.

»Was hat er vor?«, fragte Sina neugierig.
»Wirst du schon sehen«, sagte ich und grinste, da ich wohl der Einzige war, der wusste, was kommen würde.
Melina stand inzwischen vor Tom, sah ihn fragend an und er atmete noch einmal tief durch, ehe er zu sprechen anfing.
»Melina, du weißt, ich liebe dich. Mehr als mein Leben, um genau zu sein. Und ich bin mir absolut sicher, dass ich mein Leben an dei- ner Seite verbringen will. Deswegen möchte ich dich fragen, willst du mich heiraten?« Mittlerweile kniete er auf der Bank vor ihr, hatte eine kleine Schachtel in der Hand, in der ein Ring steckte und Melina schlug sich schluchzend die Hand vor den Mund, ehe sie ihm um den Hals fiel und bejahte. Jubel brach aus und die beiden küssten sich stürmisch, als wären sie völlig alleine.
»Glückwunsch«, rief Sina ihnen zu, doch sie beach-teten sie über- haupt nicht. Lachend schüttelte Sina den Kopf, ehe sie sich an die Gäste wandte.
»Bitte alle unverheirateten Frauen einmal in die Mitte, damit ich den Brautstrauß werfen kann«, befahl sie und alle folgten der Aufforde- rung.
Ben nahm ich ihr ab, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und ging mit David, der ihr soeben die Blumen überreichte, ein paar Schritte zu Seite.
»Ich würde mich totlachen, wenn Elisa ihn fängt. Dann bist du nach Tom der Nächste«, schmunzelte ich. David zuckte nur mit den Schultern.
»Und wenn schon, ich hätte nichts dagegen«, antwortete er schließlich und überraschte mich damit. Wieder einmal fiel mir auf, dass ich ihn einfach nicht gut genug kannte, doch das würden wir bald ändern. Neugierig beobachteten wir, wie Sina sich mit dem Rücken zu den Frauen drehte und ausholte … und ihn tatsächlich in Elisas Arme warf. Im selben Augenblick tauchten Tom und Melina neben uns auf und pfiffen begeistert, während Elisa beinahe geschockt in unsere Richtung blickte. Erst, als sie Davids entspanntes Gesicht sah, lächelte sie und kam langsam auf uns zu, dichtgefolgt von Sina.
»Wie es aussieht, sind wir dann wohl alle bald unter der Haube«, sagte Tom, lachte und drückte Melina an sich.
»Weißt du was? Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen«, warf David ein und zog Elisa in seine Arme. Auch ich breitete meinen freien Arm aus und empfing meine Frau.
»Es gibt nichts Besseres«, bestätigte ich meinen Freunden und küsste meine Ehefrau. Mit ihr und unse-ren Freunden an meiner Seite, war ich glücklicher denn je und freute mich darauf, den Rest meines Lebens mit ihnen zu teilen …

D.L. Andrews

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